Lothar Klein
Lothar Klein gehörte zu den Frauen und Männern, die nach der Friedlichen Revolution in der erkämpften Demokratie Verantwortung übernahmen. Er trat der DSU bei und war Abgeordneter in der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und danach im Europäischen Parlament. Diese Erfahrungen sollten sein weiteres Leben prägen und bestimmen. Die Politik ließ ihn nicht mehr los. So lange er konnte, nahm er Mandate und Funktionen in der Dresdner Kommunalpolitik wahr.
Lothar Klein gehörte zum Urgestein des Vereins „Erkenntnis durch Erinnerung“ sowie der Gedenkstätte Bautzner Straße und war deren erster Mitarbeiter. Ende der 90er Jahre war er für die Stiftung Sächsische Gedenkstätten tätig und wurde von dieser für eine ständige Tätigkeit in das damals leerstehende Gebäude geschickt. Dort bezog er eines der zahlreichen Büros, das zunächst mit einem elektrischen Heizkörper notdürftig geheizt wurde, empfing Gäste und organisierte Führungen. Dann folgten die ersten Sanierungsprojekte im Haus.
Im Trägerverein war er bis zuletzt aktiv, kam zu Veranstaltungen und Mitgliederversammlungen. Er regte zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen an, wobei ihm sein kommunales und internationales Netzwerk zugute kam. Trotz seiner wachsenden körperlichen Einschränkungen nahm er weiter an Veranstaltungen teil. Fest war er im evangelischen Glauben verwurzelt; der CDU, seiner Partei und politischen Heimat, blieb er bis zuletzt treu.
Besonders lagen ihm das jüdische Leben und die Heimstatt des jüdischen Volkes – Israel – am Herzen. Er gehört zu den Gründern der Sächsischen Israelfreunde und war zuletzt deren Ehrenvorsitzender. Das Massaker vom 7. Oktober 2023 und der wachsende Antisemitismus in unserem Land haben ihn schwer getroffen. Seine möglicherweise letzte Stellungnahme ist vom 20. Oktober 2025 und bezieht sich auf die amerikanische Vermittlung eines Waffenstillstandes im Heiligen Land.
Manchmal rief er mich an oder schickte Kurznachrichten. Immer hatte er Ideen oder Fragen, oder er wollte Ereignisse, die ihn bewegten, mit mir und anderen teilen. Nun hat er seinen Weg vollendet, seine Stimme wird nicht mehr zu hören sein. Er wird uns fehlen.