Zeitzeugen gesucht

Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Unknown author / CC-BY-SA 3.0

Zeitzeugen gesucht

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Flucht und Vertreibung aus Polen und Tschechien nach 1945

 

Die Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden nimmt Teil an einem von der EU geförderten Projekt, das die Vertreibungen nach dem 2. Weltkrieg in den Fokus nimmt.

Gemeinsam mit unseren Partnern aus Tschechien, Polen und Kroatien wollen wir Menschen, die als junge Erwachsene oder Kinder Vertreibung erlebt haben, als Zeugen ihrer Zeit interviewen und ihre Lebenserinnerungen festhalten. Ihre Geschichten sollen Teil einer Wanderausstellung werden, die 2022 durch Tschechien, die Slowakei, Polen, Kroatien und Deutschland reist.

Wir sind auf der Suche nach Zeitzeugen, die Flucht und Vertreibung aus Polen bzw. Tschechien oder der Slowakei erlebt haben und die zu einem Interview bereit wären.

 

 

Inconvenient Mobility 1945

Das Ziel des Projektes ist es, 25 Zeitzeugenberichte aus fünf Ländern zu sammeln und 12 davon mittels einer mobilen Ausstellung im öffentlichen Raum in diesen fünf Ländern zu zeigen. Die Zeitzeugen sprechen über Zwangsaussiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung wird auf dem Anhänger eines Sattelschleppers gezeigt, der durch Europa reist und so den Spuren der Zeitzeugen folgt.

 

Geschichtlicher Kontext

Im Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Das menschliche Leid, das er verursachte, ging jedoch weiter. Europa lag in Schutt und Asche, die Grenzen der Staaten wurden neu gezogen. Nicht nur im Krieg selbst, sondern auch in den politischen Realitäten der Nachkriegszeit waren Millionen von Menschen gezwungen, ihre Geburtsorte zu verlassen. Ob sie nur wenige Kilometer entfernt oder in der Fremde eine neue Heimat fanden, ob sie durch den „Eisernen Vorhang“ von ihren Geburtsorten getrennt wurden oder nicht – sie mussten sich ihre Existenz neu aufbauen. Damit haben sie das Europa mitgestaltet, in dem wir heute leben.

 

Interviews

Das Projekt widmet sich den Zeitzeugen einer der größten europäischen Migrationswellen. Im Projektverlauf erzählen sie ihre Geschichten im Dialog mit der jüngeren Generation. Die Idee dabei ist, dass ein junger Mensch aus dem Land, aus dem der Interviewte vertrieben wurde oder unter Zwang geflohen ist, das Interview führt. So werden bspw. Polen bzw.Tschechen deutsche Vertriebene interviewen. Voraussetzung ist, dass der Interviewer die Sprache des Interviewten spricht.

Die Interviews werden von einem professionellen Kamerateam aufgenommen. Alle Interviews dauern  1,5 bis 2 Stunden und umfassen das gesamte Leben des Befragten, wobei der Schwerpunkt auf den Erfahrungen mit der Zwangsmigration liegt. Geplant sind eine Projektwebsite und evtl. eine Broschüre, auf der die Zeitzeugenberichte veröffentlicht werden sollen. In der dazugehörigen Wanderausstellung wird nur ein Teil der Interviews gezeigt, so dass etwa 2-3 Zeitzeugen pro Land in der Ausstellung vorgestellt werden.

Anschließend werden sie professionell bearbeitet, in das Zeitzeugen-Archiv von Memory of Nations und der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden aufgenommen sowie öffentlich zugänglich gemacht.

Das Interview wird sich um folgende Fragen drehen:

  • Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit, bevor Ihre Familie geflohen ist oder vertrieben wurde?
  • Unter welchen Umständen haben Sie Ihre Heimat verlassen?
  • Wie wurden Sie in Ihren neuen Heimatländern empfangen?
  • Gibt es etwas, das Sie Kindern und Jugendlichen von heute auf ihrem Lebensweg mitgeben wollen?

 

Wanderausstellung durch die Slowakei, Kroatien, Deutschland, Polen, Tschechien

Folgende europäische Stationen sind für die Wanderausstellung geplant:

  • Ausstellung in der Slowakei - Januar 2022
  • Ausstellung in Kroatien - Februar 2022
  • Ausstellung in Deutschland - März 2022
  • Ausstellung in Polen - April 2022
  • Ausstellung in Tschechien - Mai 2022

 

Kontakt

Uljana Sieber, Leiterin
E-Mail: uljana.sieber@bautzner-strasse-dresden.de

Dr. Christine Bücher, Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: christine.buecher@bautzner-strasse-dresden.de

 

Projektträger

Postbellum, Prag

 

Kooperationspartner

Centrum Historii Zajezdnia, Breslau

documenta, zagreb

Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden

Postbellum, Bratislava

 

 

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